Pflanzenkulturen Tolksdorf & Beckers

Allgemeine Unternehmensvorstellung

  • Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Betrieb für Bio-Zierpflanzen (und Baumschulen) zu gründen?

    Ursprünglich war der Betrieb ein konventioneller Betrieb. Es wurde jedoch von Beginn an nachhaltig gewirtschaftet. Ende der 90er Jahre empfahl ein Kollege eines großen und erfahrenen Bio-Betriebs in Oberschwaben uns die Umstellung auf Bio.

  • Würden Sie uns bitte einen Überblick über das Unternehmen und die Hauptgeschäftsfelder geben?

    Wir bieten Fertigware für verschiedene Endkunden, wie z. B. Garten- und Landschaftsbaubetriebe, Ingenieure oder öffentliche Einrichtungen an. Bei den Pflanzen handelt es sich hauptsächlich um Sumpf- und Wasserpflanzen, extensive Dachbegrünung und im Herbst Tannengrün.

  • Was unterscheidet Ihren Betrieb von anderen Zierpflanzen- und Baumschulen in der Region?

    Wir produzieren nachhaltig ohne chemischen Pflanzenschutz oder Mineraldüngung. Dies führt zu mehr Arbeit, zum Beispiel bei der Kultivierung der Mutterpflanzen durch Mehraufwand beim Jäten, da wir keine Herbizide einsetzen. Auch bei der Verpackung achten wir auf Nachhaltigkeit.

  • Wie lange ist Ihr Unternehmen bereits im Bereich der Bio-Zierpflanzen tätig?

    Seit 1999.

Bio-Anbau und Nachhaltigkeit

  • Was bedeutet für Sie "Bio" im Kontext Ihrer Zierpflanzenproduktion?

    Es bedeutet für mich eine nachhaltige Produktion mit so wenig belastenden Materialien wie möglich. Weiterhin die Nutzung alternativer Substrate sowie von Vermarktungsstrukturen, die nicht fest, sondern stetig im Fluss sind.

  • Welche Zertifizierungen für den biologischen Anbau haben Sie und wie sind diese in Ihre Betriebsabläufe integriert?

    Wir sind ein Biolandbetrieb, zertifiziert durch ABCert.  Dabei ist die Herausforderung, dass wir eine Nischenproduktion haben . Wir sind nicht vergleichbar mit klassischen Landbaubetrieben. Wir versuchen möglichst viele Bio-Pflanzen zu verwenden.

  • Welche Herausforderungen gibt es bei der biologischen Pflanzenzucht im Vergleich zur konventionellen Produktion?

    Schädlinge treten zum Teil stärker auf, wie z. B. die Trauermücke (nasse Subtrate plus organische Düngung). Zur Bekämpfung werden biologische Mittel eingesetzt, die jedoch in Wasserverhältnissen nicht so gut funktionieren wie an Land. Dies ist ein Problem bei unserem Spezialsegment, ein ständiges Forschungsfeld.

  • Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit Ihrer Produktion zu gewährleisten?

    Wir greifen zu unterschiedlichen Maßnahmen. Wir verwenden weiterhin verschiedene Substrate, die möglichst wenig Torf enthalten oder torffrei sind. Hiermit experimentieren wir auch viel und probieren aus. Unsere Verpackungen sind nachhaltig, wie zum Beispiel Tausch-Kisten und Recycling-Töpfe. Unsere Töpfe werden nach Desinfektion wiederverwendet.

Sortimentsgestaltung und Pflanzenpflege

  • Welche Zierpflanzenarten bieten Sie an und warum haben Sie gerade diese ausgewählt?

    Wir bieten Wasserpflanzen an. Dies ist historisch entstanden, da der Betrieb damals einen Kundenstamm aus diesem Bereich hatte, welcher übernommen werden konnte. Zu der Zeit wurden hauptsächlich Wasserjungpflanzen produziert.

  • Welches Substrat nutzen Sie? Wie wird die Düngung durchgeführt und wie werden ggf. Pflanzenschutzmittel eingesetzt?

    Wir versuchen so wenig Torf wie möglich einzusetzen und Kompost sowie Kokos zu nutzen. Wir nutzen auch viel torffreies Substrat. Das Substrat ist öko-zertifiziert. Viele Substrate sind jedoch nicht für unsere Kulturen geeignet, da sie zu hoch gedüngt sind. Das Substrat erhalten wir fertig gemischt. Für die Düngung werden z. B. Hornspäne, je nach Pflanzenart grob oder fein, eingesetzt, oder auch Flüssigdünger oder Phytoperls. Der Pflanzenschutz wird vorrangig über Kulturführungsmaßnahmen betrieben, wie zum Beispiel durch Lüften, Rückschnitt u. a. Es werden Nützlinge wie Raubmilben, Raubnematoden oder Erdwespen eingesetzt. Die Schneckenkontrolle erfolgt manuell.

Kunden und Markt

  • Wer sind Ihre Hauptkunden? Verkaufen Sie vor allem an Endverbraucher, Gartencenter oder auch an gewerbliche Kunden?

    Unsere Kunden sind z. B. Staudengärtnereien, Baumschulen, ingenieurbiologische Unternehmen, Kommunen, Vereine oder Stiftungen sowie Privatkundschaft.

  • Wie hat sich der Markt für Bio-Zierpflanzen in den letzten Jahren entwickelt?

    Die Kunden, welche vormals Jungpflanzen kauften, kaufen heute Fertigware. Sie kaufen vor allem auftragsbezogen und haben somit wenig Ausfälle und Stress, da sie die Pflanzen einfach durchhandeln können.

    Das Sortiment erweitert sich durch die Ausweitung des Wildstaudensortiments

  • Welche Trends sehen Sie aktuell im Bereich Bio-Zierpflanzen und Baumschulen?

    Der Trend geht zur Wildstaude. Unser Standardsortiment läuft dabei immer. Dies betrifft etwa 10 – 15 verschiedene Pflanzen, über die das Hauptgeschäft läuft

  • Was schätzen Ihre Kunden besonders an Ihren Produkten? Welches sind die beliebtesten Produkte?

    Unsere Kunden schätzen die Qualität unserer Pflanzen. Unsere Pflanzen sind stresskonditioniert und sortenecht. Wir haben ein breites Sortiment. Beliebte Pflanzen sind zum Beispiel Hornblatt, Schwanenblume, Froschlöffel, Rohrkolben oder Seerosen.

Zusammenarbeit und Vertrieb

  • Arbeiten Sie mit anderen Betrieben, Forschern oder Institutionen zusammen, um Ihre Produkte weiterzuentwickeln oder nachhaltiger zu gestalten?

    Wir arbeiten mit vielen Betrieben zusammen und tauschen uns aus. Wir sind auch in sehr vielen unterschiedlichen Verbänden vertreten, auch in einer Prüforganisation. Außerdem arbeiten wir mit diversen Forschern zusammen. Es gab / gibt Projekte mit z. B. diversen Instituten und Universitäten, auch im Ausland, denn unsere Pflanzen sind z. B. für Umwelttestungen interessant.

  • Welche Vertriebskanäle nutzen Sie, um Ihre Produkte zu verkaufen? Haben Sie einen Online-Shop? Sind Sie auf Social Media aktiv? Gibt es Veranstaltungen vor Ort? (wie z.B. Feste)

    Wir haben einen festen Kundenstamm, der bei uns Ware bestellt.  Wir betreiben Vertragsanbau für spezielle Kulturen. Wir haben einen Internetshop und machen auch Dropshipping. Dabei nutzen wir aus Nachhaltigkeitsgründen fast nur gebrauchte Kartons sowie Polstermaterial aus alten Kartons. Wir sind bei Facebook, jedoch nicht sehr aktiv dort. Außerdem besuchen wir Sonderpflanzenmärkte in ganz Deutschland, auf denen wir dann vor allem mit dem Endkunden ins Gespräch kommen.

Zukunftsperspektiven

  • Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Gibt es Entwicklungen oder Erweiterungen, die Sie in Ihrem Betrieb anstreben?

    Wir werden das Wildpflanzensortiment erweitern. Unser Internetshop wird weiter ausgebaut werden.

  • Wie gehen Sie mit den Herausforderungen des Klimawandels in Ihrer Zierpflanzenproduktion um?

    Wir versuchen den Pflanzen so gute Bedingungen wie möglich zu bieten. Hierzu gehört z. B. auch die Schattierung der Pflanzen bei zu viel Sonneneinstrahlung. Wir haben auch bereits versucht, ein geschlossenes Wassersystem zu integrieren, um Wasser einzusparen. Dies gestaltete sich in der Praxis jedoch eher schwierig und das Einsparpotenzial war zu gering.

  • Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Bio-Zierpflanzenbranche und welchen Beitrag möchten Sie selbst dazu leisten?

    Wichtig ist immer die Kommunikation, der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben und Kunden. Weiterhin ist es sinnvoll, dass man Trends mitbegleitet. Die gute Vernetzung ist auch immer wichtig, damit bekannter wird, was es für ein breites Angebot gibt. Als Beispiel seien die Wildstauden genannt.   Denn viele Menschen wissen gar nicht, was es alles gibt, und wo es zu bekommen ist, auch jenseits großer Internetanbieter.

Fotos: Pflanzenkulturen Tolksdorf & Beckers sowie Netzwerk Ökolandbau SH

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