Kräutergärtnerei Kräuter-Simon

Allgemeine Unternehmensvorstellung

  • Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Betrieb für Bio-Zierpflanzen (und Baumschulen) zu gründen?

    Der Betrieb wird von mir, Frauke Simon, und meinem Ehemann Michael geführt und begonnen hat alles vor 25 Jahren. Wir sind beide Diplom-Biologen und begeisterte Gartenliebhaber, jedoch ohne gärtnerische Ausbildung. Michael hat auf Föhr in der Umweltberatung gearbeitet und dort einen Schaugarten mit alten Kräutern und Gemüsesorten angelegt. Daraufhin wurde oft gefragt, wo man diese Pflanzen erwerben könne. Auf dem Festland suchten wir dann nach einem Betrieb für die Umsetzung. Bio zu produzieren, war von Anfang an klar (so wie es früher gemacht wurde). Für den Vertrieb haben wir direkt auf Versand gesetzt.

  • Würden Sie uns einen Überblick über das Unternehmen und die Hauptgeschäftsfelder geben?

    Wir haben einen ganz kleinen Betrieb mit 2 ha Eigenland und 2 Mitarbeiter:innen. Wir setzen auf Vielfalt und Kräuter-, Duft- und Nutzpflanzen, die alle selbst produziert sind. Wir haben in unserem Sortiment Kräuter- und Duftpflanzen in über 600 Sorten, 100 Tomatensorten (pro Jahr werden 6000 Tomatenpflanzen produziert), Chili-, Paprika-, Auberginenpflanzen und Stauden. Unser Hauptaugenmerk liegt auf Vielfalt und Insektenfreundlichkeit. Außerdem haben wir unser Sortiment auf Trockenheitsresistenz ausgerichtet. Beet- & Balkonpflanzen werden vom Kunden ein Mal im Jahr gekauft und blühen dann von Mai bis zum Frost.

    Wir arbeiten mit zwei großen Foliengewächshäuser von 200 m2. Eines wird frostfrei gehalten, das andere bleibt unbeheizt, dazu noch 3 kleine Folientunnel mit 60 m2 (einer als reines Mutterpflanzenhaus für Rosmarin und Co., einer für Tomatenstammpflanzen für die Saatgutproduktion und der dritte für die Chilijungpflanzen für den Verkauf). Die Stecklingsplatten werden für den Verdunstungsschutz mit Vlies versehen. Nur die Jungpflanzen stehen, bis die Töpfe voll durchwurzelt sind, drinnen (für Verdunstungsschutz), dann kommen alle raus. Draußen haben wir wegen des Windes kaum Pilzbefall, aber ständiger Wind bedeutet auch eine hohe Verdunstung. Wir nutzen viele Vermehrungsstrategien wie eine Staudengärtnerei.

  • Was unterscheidet Ihren Betrieb von anderen Zierpflanzen- und Baumschulen in der Region?

    In der Region gibt es keine weitere Bio-Gärtnerei (außer Baumschule Rohwer). Unser Betrieb wurde als Exot unter den ansonsten ausschließlich konventionellen Betrieben betrachtet. Wegen des Abdrifts bei der Spritzmittelausbringung kommt es zu Konflikten.

  • Wie lange ist Ihr Unternehmen bereits im Bereich der Bio-Zierpflanzen tätig?


    Vor 25 Jahren sind wir gestartet, seit 20 Jahren sind wir bei Bioland und produzieren unsere Pflanzen nach den Kriterien des ökologischen Gartenbaus. Alle Pflanzen wachsen bei uns vor Ort aus Stecklingen oder Saatgut heran. Die Verbandszugehörigkeit ergab sich, damit die Ware als bio vermarktet werden kann, an der Produktion wurde dafür nichts verändert.

Bio-Anbau und Nachhaltigkeit

  • Was bedeutet für Sie "Bio" im Kontext Ihrer Zierpflanzenproduktion?

    Von Anfang an nutzen wir torffreies Pflanzsubstrat. Wir haben ein Substrat mit einem Hersteller mitentwickelt. Kokosfasern sind für die Stabilität im Topf enthalten (der Anteil wurde schon durch Holzfasern ersetzt, aber noch nicht vollständig). Für die Anzucht ist das Substrat torfreduziert. Das Problem bei Torffreiheit: Trauermücken. Der Bestand wird dann mit Nematoden gegossen.

  • Welche Zertifizierungen für den biologischen Anbau haben Sie und wie sind diese in Ihre Betriebsabläufe integriert?

    Seit 2005 sind wir Bioland-Betrieb. Wir verwenden ein speziell für uns gemischtes Kultursubstrat ohne Torf. Diese Erde auf der Basis von Grün-Kompost bietet unseren Kräutern optimale Wachstumsbedingungen, da der Nährstoffgehalt dieser Erde auf die Bedürfnisse unserer Pflanzen zugeschnitten ist. Das Substrat ist auf Mittelmeerkräuter ausgelegt und daher gering gedüngt. Das Aufdüngen der Pflanzen erfolgt nicht mit Flüssigdünger (weil der zu schnell ausgewaschen wird). Stattdessen werden die Pflanzen aus dem Topf geholt und mit Düngerpellets versehen. Dadurch haben wir reduzierte Düngemittelmengen.

    Schädlinge werden durch den gezielten Einsatz von Nutzinsekten im Zaum gehalten.

    Das Gewächshaus wird im Winter nur eben frostfrei für die Mutterpflanzen gehalten.

    Im Wohnhaus haben wir einen Raum mit Kunstlicht, um dort u.a. Chili-, Paprika- und Tomatenpflanzen vorzuziehen und z.B. den Basilikum zu überwintern, der in unseren Breitengraden zu der Zeit unter dem Lichtmangel leidet. Diesen Raum zu nutzen, ist weniger energieaufwendig, als ein Gewächshaus zu beheizen.

    Wir haben Presstöpfe probiert, die funktionieren aber nicht. Daher kommen Plastiktöpfe zum Einsatz, die mehrfach genutzt werden. Dazu haben wir ein Pfandsystem etabliert (5 cent/ Topf). Das wird gut von den Kunden angenommen.

  • Welche Herausforderungen gibt es bei der biologischen Pflanzenzucht im Vergleich zur konventionellen Produktion?

    Krautdruck ist eine Herausforderung. Konventionelle Betriebe räumen ihre Flächen leer, spritzen und dann sind sie krautfrei. Im biologischen Anbau müssen die Flächen/ Pflanzenquartiere mechanisch krautfrei gehalten werden. Das ist aufwendig und stellt einen erheblichen Kostenfaktor dar.

    Unsere Pflanzen werden nicht mit z.B. wachstumsbegrenzenden Hormonen behandelt (wie z.B. Lavendel, damit die Pflanze kompakter bleibt). Die Pflanzen müssen, um nicht zu vergeilen, mit Abstand gepflanzt werden.

    Bei konventionellen Betrieben geht es nur um Gewinnmaximierung. Aber Wachstum ist immer begrenzt.

  • Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit Ihrer Produktion zu gewährleisten?

    Neben den bereits bei Frage 6 erwähnten Prozessen im Betrieb, arbeiten wir nur mit Nützlingen (wie Florfliegenlarven oder Raubwanzen). Es wird nichts gespritzt. Monitoring ist da A und O.

Sortimentsgestaltung und Pflanzenpflege

  • Welche Zierpflanzenarten bieten Sie an und warum haben Sie gerade diese ausgewählt?

    Wir haben ein sehr spezielles Sortiment. Wir haben z.B. je 60 Sorten von Salbei, Minze und Thymian sowie 100 Tomatensorten. So wird biologische Vielfalt erhalten, was sehr sinnvoll in Zeiten des Klimawandels ist. Die Novellierung des Saatgutverkehrsgesetzes würde allerdings Schwierigkeiten für die Saatgutvielfalt bedeuten, denn die Sonderzulassung ist teuer für Kleinunternehmen.

  • Gibt es besondere Pflanzen, die für den Bio-Anbau besonders geeignet sind?

    Alte Sorten.

    Alte Tomatensorten/ Wildtomaten sind z.B. Krautfäule tolerant. Es gibt also keinen Totalverlust bei Befall. Paprikasorten, die für den Anbau draußen geeignet sind. Gewürzgurken – die beliebteste/ am meisten verbreitete Sorte gedeiht in Nordfriesland nicht, aber eine aus Bulgarien. Die östlichen Länder produzieren ihr Saatgut eher selbst, sodass es robuster ist.

    Wenn alte Sorten unter konventionellen Bedingungen gezogen werden würden, hätten sie nicht dasselbe Aroma. Sie wären zu schnell gewachsen und instabil.

    Da unsere Pflanzen für den Handel bestimmt sind, werden sie für den Pflanzenpass einmal jährlich im Betrieb auf Erreger untersucht.

  • Welches Substrat nutzen Sie? Wie wird die Düngung durchgeführt und wie werden ggf. Pflanzenschutzmittel eingesetzt?

    Wir verwenden ein speziell für uns gemischtes Kultursubstrat ohne Torf (Erde auf der Basis von Grün-Kompost). Die Aufdüngung erfolgt nur mit Düngerpellets. Es werden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

  • Setzen Sie bestimmte Pflanzen in Kombination miteinander ein, um natürliche Schädlingsbekämpfung oder Bodengesundheit zu fördern?

    Die Bodengesundheit bei Pflanzen im Topf zu fördern, ist nicht möglich.

Frauke und Michael Simon der Kräutergärtnerei

Kunden und Markt

  • Wer sind Ihre Hauptkunden? Verkaufen Sie vor allem an Endverbraucher, Gartencenter oder auch an gewerbliche Kunden?

    Unsere Hauptkunden sind die Endverbraucher.

  • Wie hat sich der Markt für Bio-Zierpflanzen in den letzten Jahren entwickelt?

    Schwer zu sagen, unser Betrieb lebt von vielen Stammkunden und von Mundpropaganda.

  • Welche Trends sehen Sie aktuell im Bereich Bio-Zierpflanzen und Baumschulen?

    Der Trend geht hin zu heimischen Kräutern, die auch hübsch anzusehen und pflegeleicht sind (wie Wiesensalbei, Wilde Möhre, Steinklee, Wegwarte).

  • Was schätzen Ihre Kunden besonders an Ihren Produkten? Welches sind die beliebtesten Produkte?

    Geschätzt wird die Langlebigkeit und Robustheit der Pflanzen, die Vielfalt und Aromen sowie die Tomaten- und Gemüsejungpflanzen (Zucchini, Gurke, Paprika, Chili).

Zusammenarbeit und Vertrieb

  • Arbeiten Sie mit anderen Betrieben, Forschern oder Institutionen zusammen, um Ihre Produkte weiterzuentwickeln oder nachhaltiger zu gestalten?

    Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit Klasmann-Deilmann für die Entwicklung des Substrats, auch mit Forschung (Culinaris-Saatgut) wegen Tomaten mit Krautfäuleresistenz. Nachhaltigkeit erfordert viel nachdenken, austauschen und ausprobieren.

  • Welche Vertriebskanäle nutzen Sie, um Ihre Produkte zu verkaufen? Haben Sie einen Online-Shop? Sind Sie auf Social Media aktiv? Gibt es Veranstaltungen vor Ort? (wie z.B. Feste)

    In den Anfängen des Betriebes war der Schaugarten ein Anziehungspunkt und wir haben Kreativveranstaltungen angeboten (was mache ich aus den Pflanzen wie z.B. Seife, …). Mittlerweile konzentrieren wir uns aufgrund der Nachfrage nur noch auf die Produktion. Anfänglich gab es bei uns auf dem Hof noch ein Mal im Jahr ein Kräuterfest. Nach Corona war dafür keine Zeit mehr.

    Märkte: Wir sind regelmäßig auf dem Husumer Wochenmarkt, dazu kommen viele weitere Pflanzmärkte und Veranstaltungen über das Jahr verteilt, an denen wir teilnehmen (es gibt eine Übersicht über die Termine auf unserer Website)

    Online-Shop: unser Sortiment umfasst Saatgut, Dünger & Pflanzenstärkungsmittel, Teemischungen & Gewürze, Bio-Kaffee, Bio-Lebensmittel, Kräuterseifen, -shampoos und Körperpflege, Bücher, Schönes für Gartenfreunde, Bio-T-Shirts mit Kräutermotiven

    Unser Onlineshop war während Corona sehr hilfreich, aber wegen fehlender Mitarbeiter:innen (ursprünglich 4) können wir mittlerweile keinen Pflanzenversand mehr anbieten.

    Dazu betreiben wir noch einen Hofladen.

    Unsere Pflanzen kann man direkt bei uns am Hof kaufen oder auf den Märkten.

    Wir sind auch auf Social Media wie Instagram aktiv, aber nur begrenzt.

Zukunftsperspektiven

  • Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Gibt es Entwicklungen oder Erweiterungen, die Sie in Ihrem Betrieb anstreben?

    Bislang fehlt uns ein Betriebsnachfolger. Im Frühjahr haben wir 12-Stunden-Tage und eine 7-Tage-Woche. Das muss man wollen und mit Leidenschaft dabei sein.

  • Gibt es neue Techniken oder Ansätze, die Sie in der Zukunft in Ihren Anbau integrieren möchten?

    Es sind kleine Stellschrauben: z.B. Heizmatten für die Stecklingsplatten.

    Die Temperatur gesteuerte Gasheizung für das alleinstehende Gewächshaus (200 m2) kann nicht so einfach ersetzt werden und bleibt zunächst, auch wenn sie nicht so umweltfreundlich ist.

  • Wie gehen Sie mit den Herausforderungen des Klimawandels in Ihrer Zierpflanzenproduktion um?

    Unsere Mittelmeerhalbsträucher sind alle relativ trockenheitsresistent und haben kein Problem mit Hitze/ Sonne.

    Starkregenereignisse sind problematisch und schwierig zu lösen. Unsere Drainage hatte Wasser in unser Gewächshaus gedrückt, was den Tod für die Neupflanzen bedeutete.

    Windhosen nehmen zu. Schutz bieten Gehölzstreifen.

  • Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Bio-Zierpflanzenbranche und welchen Beitrag möchten Sie selbst dazu leisten?

    Ich wünsche mir, dass der biologische Anbau ein Pflichtteil in der Ausbildung für Bio-Gärtner:innen wird. Es gibt zu wenig Azubis. Es sollte eine Honorierung des gesellschaftlichen Nutzens und des Mehrwertes durch den biologischen Anbau geben.

Fotos: Kräuter-Simon

Mehr zum Betrieb auf der Website: Kräuter-Simon