Mit Milch Zukunft gestalten: Bio bietet Perspektiven für die nächste Generation
| - Rückblick auf die Öko-Aktionswoche 2026 in Schleswig-Holstein des Ministeriums für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV) - |
Wie sieht die Milchproduktion von morgen aus? Welche wirtschaftlichen Perspektiven bieten ökologische Erzeugung, regionale Wertschöpfung und innovative Vermarktungswege? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Praxistag, zu der die Landesvereinigung Ökologischer Landbau Schleswig-Holstein & Hamburg e. V. über das Netzwerk Ökolandbau SH eingeladen hatte. Landwirtinnen und Landwirte, Erzeugerberater, Molkereien und Verbände diskutierten über die Zukunft der Milchviehhaltung.
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Bio-Milch bietet langfristig gute Marktchancen. Voraussetzung dafür sind jedoch wirtschaftlich tragfähige Konzepte, verlässliche politische Rahmenbedingungen sowie eine stärkere Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Praxisnaher Einblick in einen modernen Milchviehbetrieb
Den Auftakt bildete eine Betriebsführung auf dem gastgebenden Bioland-Milchviehbetrieb von Jana Tobian und Malte Göttsche in Schwedeneck, der seit 2016 von der jungen Generation geführt wird. Mit derzeit 84 Milchkühen und rund 200 Hektar landwirtschaftlicher Fläche zeigte der Betrieb, wie sich moderne Technik und familiengeführte Landwirtschaft sinnvoll verbinden lassen.
Gemolken wird in einem 14er-Swing-Over-Melkstand, unterstützt durch moderne Technik wie schwebend installierte Saugroboter und ein digitales Herdenmanagementsystem. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei rund 8.200 Litern pro Kuh und Jahr. Der Rundgang verdeutlichte, dass technische Innovationen, effiziente Arbeitsabläufe und familiengeführte Betriebsstrukturen durchaus miteinander vereinbar sind.
Wirtschaftliche Herausforderungen – aber positive Perspektiven
Im anschließenden Fachvortrag wurde die wirtschaftliche Situation der Branche eingeordnet. Die Produktionskosten liegen laut Milchmarker-Index derzeit bei rund 75 bis 76 Cent je Kilogramm Milch, während die Erlöse im ökologischen Bereich vielfach bei etwa 70 Cent liegen. Hinzu kommen gestiegene Betriebsmittelkosten, insbesondere bei Energie und Kraftstoffen.
Trotz dieser Herausforderungen bewerteten die Teilnehmenden die langfristigen Aussichten positiv. Nach Einschätzung der Diskutierenden ist das Angebot an Bio-Rohmilch derzeit knapp, während die Nachfrage nach regional erzeugten Bio-Produkten weiterhin hoch bleibt. Diese Entwicklung eröffnet insbesondere jungen Betrieben langfristige Perspektiven.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Vermarktung. Rund die Hälfte der Bio-Milch wird zu Käse verarbeitet. Gleichzeitig besteht insbesondere im Norden weiterhin ein Engpass bei der Herstellung von Bio-Butter, sodass teilweise Rohware aus dem Ausland bezogen werden muss. Darin sehen die Teilnehmenden Potenzial für eine breitere und flexiblere Produktpalette der Molkereien.
Wirtschaftlichkeit als Voraussetzung für Umstellungen
In der Fishbowl-Diskussion wurde deutlich, dass die Rahmenbedingungen regional sehr unterschiedlich sind. Während in einigen Regionen groß strukturierte Betriebe dominieren, stehen andernorts kleinere Familienbetriebe vor besonderen Herausforderungen des Strukturwandels.
Einigkeit bestand darüber, dass eine Umstellung auf den ökologischen Landbau vor allem wirtschaftlich tragfähig sein muss. Ideelle Überzeugungen allein reichen nicht aus – entscheidend ist, dass Betriebe langfristig rentabel arbeiten können.
Als wichtige Bausteine wurden neben der Zusammenarbeit mit den Molkereien auch Direktvermarktung und regionale Vermarktungswege genannt. Sie stärken die Wertschöpfung auf den Höfen und fördern den direkten Kontakt zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Eine zentrale Empfehlung lautete, Investitionen erst dann zu tätigen, wenn ein langfristiger Liefervertrag mit einer Molkerei abgeschlossen wurde. Darüber hinaus wurde jungen Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern geraten, auf eine konsequente Low-Input-Strategie mit überschaubarem Fremdkapital, möglichst vollständig finanzierten Maschinen und einer extensiven Wirtschaftsweise zu setzen. Dies erhöhe die wirtschaftliche Stabilität in Zeiten schwankender Märkte.
Gleichzeitig richteten die Teilnehmenden einen Appell an die Politik. Junge Betriebe benötigten verlässliche Förderbedingungen, Planungssicherheit und Klarheit über die zukünftige Ausgestaltung der Öko-Förderung.
Ausbildung weiterentwickeln und Kompetenzen stärken
Des Weiteren wurde die landwirtschaftliche Ausbildung thematisiert. Kritisch wurde angemerkt, dass die Überarbeitung der bundesweiten Ausbildungsordnung nur langsam voranschreitet und ökologische Themen bislang häufig von regionalen Initiativen abhängen.
Statt einer Trennung zwischen konventioneller und ökologischer Ausbildung sprachen sich die Teilnehmenden dafür aus, praxisnahe Inhalte stärker in den regulären Unterricht zu integrieren. Dazu gehören beispielsweise mechanische Unkrautregulierung, professionelles Weidemanagement oder nachhaltige Betriebsführung. Diese Kompetenzen seien unabhängig von der späteren Betriebsform von großem Nutzen.
Um auch Lehrkräfte stärker einzubinden, wurde vorgeschlagen, Fortbildungen und Betriebsbesichtigungen auf ökologisch wirtschaftenden Höfen gezielt zu fördern.
Kooperationen als Schlüssel für die Zukunft
Zum Abschluss des Milchschnacks wurde deutlich, dass die Zukunft der Milchviehhaltung nicht allein von Marktpreisen oder Förderprogrammen abhängt. Ebenso wichtig sind Offenheit für neue Ansätze und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Betrieben.
Als Beispiel wurden Kooperationen zwischen Ackerbau- und Milchviehbetrieben genannt, etwa beim Austausch von Kleegras und Wirtschaftsdünger. Solche Partnerschaften können sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich Vorteile bringen.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Umstellung auf ökologischen Landbau vielfach weniger an fehlenden Marktchancen als an Unsicherheiten und gewachsenen Strukturen scheitert. Deshalb brauche es niedrigschwellige Bildungsangebote, einen offenen Austausch und mehr Gelegenheiten, erfolgreiche Praxisbeispiele kennenzulernen.
Die Veranstaltung zeigte, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft der Bio-Milchproduktion vorhanden sind. Entscheidend sind wirtschaftlich tragfähige Betriebsstrategien, verlässliche politische Rahmenbedingungen, moderne Ausbildung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Molkereien und Beratung. So kann die Milchproduktion der Zukunft nachhaltig, wirtschaftlich und regional gestaltet werden.