Nicht oben ohne – über die Haltung horntragender Kühe

„Die Haltung horntragender Kühe ist möglich!“ – so das Fazit der gemeinsamen Tagung, die im November von Bioland und Demeter in Kooperation mit dem Netzwerk Ökolandbau Schleswig-Holstein durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt stand die praxisbezogene Vorstellung des Forschungsprojekts „Hörner im Laufstall“, das von 2015 bis 2018 bundesweit untersuchte, welche Faktoren des Baus und der Herdenführung im Laufstall ausschlaggebend sind. Besonders beachtenswert an diesem Projekt ist die sehr gute Verzahnung zwischen Praxis, Beratung und Forschung: Die Ergebnisse der durch Dr. Julia Johns von der Universität Kassel auf den Betrieben erhobenen Daten sowie eine Empfehlung der Forscher bildeten die Grundlage für die Beratungen der 39 Betriebe durch vier Öko-Berater der Bio-Verbände Bioland und Demeter. In Zusammenarbeit mit den Betrieben wurden Maßnahmenvorschläge für Verbesserungen der Haltungs- und Managementbedingungen entwickelt, zudem wurde der Erfahrungsaustausch der Betriebe untereinander gefördert. „Hörner sind im Laufstall entgegen ihrem Ruf kein grundsätzliches Problem – sofern deren Halter Hörner wollen“, argumentiert Ulrich Mück, Demeter-Berater und Beteiligter im dreijährigen Forschungsprojekt. „Es geht darum – wie eigentlich grundsätzlich im Ökolandbau – die Managementmaßnamen und die Haltungsbedingungen an die Tiere anzupassen und nicht umgekehrt.“ Leider könnte es aufgrund der rasanten Zunahme der Zucht auf genetische Hornlosigkeit bereits in wenigen Jahren zum Aussterben der horntragenden Kühe kommen, wie Mück anhand neuer Studien darstellte. Mück machte gleichzeitig deutlich, dass es kein Patentrezept für alle Ställe gibt und wies auf vier wesentliche Einflussbereiche hin, die bei der Haltung horntragender Kühe genau betrachtet werden müssen: Haltungsbedingungen und Stalleinrichtung, Herdenmanagement, Mensch-Tier-Beziehung sowie Herdenführung für eine stabile Rangordnung in der Sozialform Herde. Anhand der untersuchten Betriebe konnte gezeigt werden, dass die Haltung horntragender Kühe im Laufstall mit wenig Schäden an den Tieren und zufriedenstellender Milchleistung möglich ist. Ungünstige Bedingungen im Bereich der Haltung können zudem durch günstige aus anderen Bereichen kompensiert werden. „Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Betriebsleitern zu – je aufmerksamer, wertschätzender und konsequenter sie mit ihren Tieren umgehen und je genauer sie ihre Herde kennen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Haltung horntragender Kühe,“ ist auch Eike Poddey, Beraterin und Projekt-Mitarbeiterin von Bioland, überzeugt. Das bestätigt auch Landwirt Dirk Kock-Rohwer beim Rundgang durch seinen neu gebauten Stall: „Für mich ist der Anblick meiner zufriedenen Kühe jeden Morgen ganz klar eine Belohnung für diesen Entschluss.“ Beteiligt am Projekt war auch Hans Möller aus Lentföhrden, der bereits seit vielen Jahren horntragende Kühe auf seinem Hof hält: „Ich bin auf einem Hof aufgewachsen, auf dem horntragende Rinder selbstverständlich waren. Mein Vater hat damals auf Druck der Berufsgenossenschaft in einer Wochenendaktion allen Kühen die Hörner abgesägt – für mich eine schreckliche Erfahrung. Für mich war klar: Wenn ich den Hof führe, mach ich das anders. Ganz wichtig ist: Ich als Mensch, als Landwirt muss das wollen – mit allen Herausforderungen, die es gibt. Mein Tipp: Geht in Ställe und schaut euch an, wie andere das machen – wir geben unser Wissen gerne weiter!“

Quelle: Nele Süß, Bioland