Fachtagung "Dem Klimawandel mit intelligenten Fruchtfolgen begegnen" am 5. Oktober 2023

Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Dürren, schrumpfende Grundwasservorkommen und Starkregenereignisse sind nur einige der Folgen und machen auch in Schleswig-Holstein Anpassungen notwendig. Wie eine aktuelle Klimastudie der Technischen Universität zu München zeigt, bietet die ökologische Landwirtschaft ein hohes Potential zur Klimaanpassung. Unter anderem werden durch vielfältige Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an stickstofffixierenden Leguminosen der Aufbau von Humus und die Bindung von Kohlenstoff im Boden in besonderem Maße gefördert. Dies wirkt sich positiv auf die Ertragsfähigkeit und -stabilität des Bodens auf.

Am vergangenen Donnerstag, den 5. Oktober 2023, luden das Netzwerk Ökolandbau Schleswig-Holstein und das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein (MLLEV) gemeinsam mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) zur Online-Tagung „Mit intelligenten Fruchtfolgen dem Klimawandel begegnen“ ein. Durch das Programm führte Arne Bilau, Ackerbau- und Naturschutzberater des Ökorings im Norden e.V.

Referentinnen und Referentinnen aus der Öko-Beratung, der Forschung und Getreidevermarktung sowie praktizierende Landwirte trugen mit ihren Beiträgen zu einer sehr erhellenden und praktisch relevanten Veranstaltung bei – über 40 Zuhörerinnen und Zuhörer nahmen teil.

Klimawandel – was bedeutet das für die Landwirtschaft?

Annemarie Ohlwärter, Mitarbeiterin in der Naturland-Beratung im Projekt LeguNet, stellte eingangs vor, vor welche Herausforderungen der Klimawandel die Landwirtschaft stellt – in den letzten 30 Jahren ist es deutlich wärmer und trockener geworden, gerade in den Sommermonaten und im Frühjahr verteilen sich die Niederschläge ungünstiger. In Schleswig-Holstein sei es trotz des vielen Regens im August vor allem in den östlichen Regionen extrem trocken geblieben. Die Hitzephasen treten vor allem in den kritischen Phasen der Blüte und Kornfüllung auf und mindern so die Ertrag und Qualität des Getreides. Insbesondere Sommerungen leiden aufgrund des Wassermangels im Frühjahr und Sommer. Schädlinge und Krankheiten finden guten Bedinugnen, neue Unkräuter wie der Stechapfel und der Schwarze Nachtschatten. Zukünftig würden die Sommer noch trockener, der Winter noch feuchter. Wichtige Möglichkeiten zur Anpassung seien vor allem der Humusaufbau: Infiltration und Wasserspeicherung sowie CO2-Fixierungs aus der Luft und vor allem auch eine wassersparende Bodenbearbeitung. Ein großes Potential wird auch bei Leguminosen mit ihren tiefreichenden Wurzeln und den großen Vorteilen für die Nachfrüchte. Der Ökolandbau habe biete hier besondere Vorteile, die sich u.a. durch einen 10 %-höheren Gehalt an organischem Boden-Kohlenstoff und einer besseren Aggregatstabilität des Bodens äußern.

Die Planetary Health Diet empfiehlt wenig tierisches Eiweiß und mehr pflanzliches Eiweiß zu konsumieren – das Projekt LeguNet dient zum Beispiel dazu, den Anbau von Körnerleguminosen (Kichererbsen, Ackerbohnen, Erbsen) zufördern und entsprechende Wertschöpfungsketten aufzubauen und dabei bewährte Praktiken des Ökolandbaus in die konventionelle Landwirtschaft zu transferieren. In Norddeutschland seien die Erträge an Ackerbohnen und Erbsen allerdings zurückgegangen – da könne auf Winterackerbohnen und Wintererbsen zurückgegriffen werden, da diese früher blühen und

Kleegras – ein notwendiger Bestandteil von Fruchtfolgen

Dr. Ralf Loges, wissenschaftlicher Koordinator des Forschungsschwerpunktes Ökologischer Landbau der Universität Kiel und des seit 25 Jahren ökologisch bewirtschafteten Versuchsbetriebs Lindhof der Universität, referierte zum Thema Kleegras als notwendigem Bestandteil von Fruchtfolgen. Kleegras biete Klimavorteile und zeigte diese im Hinblick auf die klimaschonende Milcherzeugung auf dem Lindhof auf. Habe eine weitaus bessere CO2-Bilanz als konventionelles Ackergras, Durch die extrem hohe Fixierungsleistungen von 300 kg könnten drei Folgefrüchte ernährt werden. Zudem ist Kleegras ein wichtiger Humuslieferant, stellte dies am Beispiel des Dauerversuchs an der Uni Kiel dar. Und erhöhe zudem die Artenvielfalt. Ein umweltfreundliches und günstiges Futtermittel. Und verwies zudem auf ein aktuelles Forschungsprojekt in Dänemark, in dem daran gearbeitet wird, aus Kleegras direkt Proteine zu gewinnen.

Rüdiger Graß forscht an der Universität Kassel zu innovativen Anbausystemen und insbesondere an Mischfruchtanbau und Ackerbausystemen mit reduzierter Bodenbearbeitung und beschäftigt sich intensiv mit der Resilienz dieser Systeme vor dem Hintergrund des Klimawandels. Er berichtete über einen vierjährigen Versuch, in dem verschiedene Verfahren zum Anbau von Silomais mit reduzierter Bodenbearbeitung  in Trenthorst und Hessen durchgeführt wurden. Reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaat seine gut möglich, es würde viele Synergieeffekte erzielt, wobei es im Norden nicht so gut geklappt hatte. Hier müsste verglichen mit Hessen winterharte Zwischenfrüchte früher geerntet werden. Es gibt viele Strategien, den Ökolandbau bodenschonend zu gestalten.

Über die Kleegrasfütterung berichtete Götz Daniel vom Ökoring. Siliertes Kleegras wird im Projekt zum Angler-Sattelschwein vom Ökoring als Raufuttermittel getestet. Es wird von den Schweinen gerne gefressen und bringt die Vorteile mit sich, dass es auf dem eigenen Betrieb relativ günstig erzeigt werden kann und wertvollte Proteine enthält. Die Kleegrasfütterung der Öko-Mastschweine setzt sich in Schleswig-Holstein immer mehr durch. Gerade alte Rassen wie das Angler-Sattelschwein können sehr hohe Kleegras mengen gefüttert bekommen, und bis zu 50 % der Ration ausmachen.

Anpassung von Sortenwahl und Trends in der Vermarktung

Wie sich die klimatischen Veränderungen in Bezug auf die Sortenwahl und die Vermarktungen auswirken, stellte Johanna von Münchhausen von Gut Rosenkrantz aus Neumünster dar. In Bezug auf die Anpassung von Kulturen und Sorten gebe es bei Gut Rosenkrantz in der Mehlverarbeitung kaum Veränderungen, da die Bäckereien keine Änderungen wünschen. Bei der diesjährigen Ernte seinen Qualitätsparameter etwas angepasst wirden- Die Sortenbenennung sei bei Kontrakten wichtig, da Trends für die Saatgutvermehrung im Blick behalten haben müsste.  In der Vermahlung würden mittlerweile Winterweizen und -dinkel bevorzugt werden, bei Roggen mache es keinen Unterschied.

Die Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein würden zunehmend alternative Kulturen wie Kichererbsen, Buchweizen, Leindotter, Sonnenblumen, Hirse, Öllein, Soja und Körnermais. Zudem würden Kulturen vermehrt umgestellt, z.B. Ackerbohnen auf Erbsen und der Gemengeanbau ausgeweitet. An der Westküste würden mehr Winterkulturen angebaut. Aufgrund hoher Körnerverluste würden in sturmanfälligen Regionen Sorten umgestellt. Sie empfiehlt sich nicht in erster Linie nach Preisen zurichten, sondern genau auf die Fruchtfolge zu achten, um gut ernährte Bestände zu haben, eigene Betriebsversuche seien wichtig. Zudem seien es Landwirtinnen und Landwirte aus der konventionellen Praxis gewohnt, feste Aussaattermine einzuhalten, hier sei allerdings zukünftig eine höhere Flexibilität erforderlich.

Klimaresilienz in der Praxis

Zuletzt berichteten Jörg-Wilhelm Ostermann aus Eimke im Kreis Uelzen und Felix Riecken aus Großbarkau. Ostermann führt seinen Betrieb seit einigen Jahren nach Bioland-Kriterien und wirtschaftet auf sandigen Standorten der Lüneburger Heide. Um seinen Betrieb an die immer trockner werdenden Bedingungen  anzupassen, hat er sehr veilfältige Fruchtfolgen etabliert und experimentiert seit einigen Jahren mit besonders trockenheitstoleranten Kulturen und dem Gemengeanbau. Zum Beispiel baut er Linsen gemeinsam mit Leindotter an – der Leidotter hat sich als guter Gemengepartner herausgestellt und ist zufrieden. Die Erträge sind schwankend. Die Ernte vermarktet er in seinem Hofladen.  Mit Agroforst versucht Felix Riecken seinen Betrieb an die Wasserknappheit anzupassen. Durch Beschattung sowie Reduzierung der Windgeschwindigkeit, wird die Evapotranspiration von Oberdboden und Wasser verringert. Und stellte da, wie er die Konkurrenz zwischen Ackerkultur und Bäumen zum Wasser reduziert und einen ausgeglichenen Wasserhaushalt schafft.

Die Tagung vermittelt interessante und wertvolle Einblicke darein ,wie die Diversifizierung von Fruchtfolgen als Instrument zur Anpassung an die herausfordernden Veränderungen des Klimawandels dienen kann. Gerade der Kleegrasanbau ist ein wichtiger Baustein – stellt allerdings viehlose Betriebe vor Herausforderungen. Der Humusaufbau ist ein wichitger Aspekt, den es bei der Planung von Fruchtfolgen zu bedenken gibt. Auch durch die Sortenwahl haben wir Spielraum zur Anoassung. Linsen sind eine besonders interessante Kultur, da sie in der menschlichen Ernährung tierische Proteine ersetzen können und auf trockenen Standorten vermehr erfolgreich angebaut werden, wobei sich die Vermarktungsperspektiven noch weiten könnten. Zudem kann mit Agroforst der Austrocknung entgegengewirkt werden – ein gutes agroforstsystem ermöglicht durch eine höhere Fotosynthesefäche eine höhere Anbaueffizienz.