Die sieben Köstlichkeiten

Am 17.9. trafen sich auf dem Versuchsbetrieb Lindhof auf Einladung des Netzwerkes 21 Interessierte, um sich von Ralf Loges, Koordinator von Feldversuchen im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Ökologischer Landbau an der Christian-Abrecht-Universität, das „moderne Weidemanagement für Milchkühe nach dem irischen Prinzip“ erläutern zu lassen.

Auf dem Versuchsgut der CAU wird seit einigen Jahren untersucht, wie die knapp 100 Milchkühe optimal nach dem irischen Weideprinzip gehalten werden können. Zusätzlich wird untersucht, wieviel Methan die Rinder ausstoßen und wie der Methanausstoß durch das Angebot passender Kräuter reduziert werden kann.

Den Tieren wird möglichst lange ein Weidegang ermöglicht, so wie es auch in Irland gehandhabt wird. Als Beispiel nannte Ralf Loges das Jahr 2018, in dem die Tiere bis in den Dezember hinein Weidegang hatten. Am 20. Februar 2019 erlaubte die Witterung schon wieder eine kurzzeitige Beweidung der Flächen. Um den Aufwuchs der Weiden optimal zu nutzen, wird die saisonale Abkalbezeit auf dem Lindhof ins Frühjahr gelegt. Ab Mitte Februar kommen innerhalb von 10 Wochen alle Kälber zur Welt. Die Mutterkühe werden zu der Zeit durch den frischen Aufwuchs optimal mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Alle Flächen werden bis Anfang April einmal abgeweidet. Ralf Loges stellte den Gäste auch den „Grashopper“ vor. Mit diesem Gerät kann die Trockenmasse/ha Grasaufwuchs berechnet werden. Auf diese Weise ist es den Landwirten möglich, eine optimale Nutzung aller Weiden sicher zu stellen. Bei dem irischen Weidemanagement ist es wichtig, immer den besten Zeitpunkt und die optimale Flächengröße für eine Begräsung der Weiden zu treffen. Das Gras darf nicht zu lang sein, weil es sonst zu viel Raufaser und zu wenig Energie enthält. Zudem wird in so einem Fall viel niedergetreten und bleibt ungenutzt. Ist es zu kurz, kann der Energiebedarf nicht gedeckt werden. Die Kühe sollen in der Lage sein, mit einem Biss das Maul zu füllen, um dann weiter zu gehen. Die Flächen werden für die Zeit der Beweidung fest eingezäunt und der Herde wird jeden Tag ein neues Stück Land zugewiesen, so dass sie jeden Tag frisches Gras zur Verfügung hat. Auf diesem Weg rotieren die Rinder über den Betrieb und es kommt zu 9 Nutzungen/Jahr. Sollte der Aufwuchs schneller sein als die Herde fressen kann, kommt auf den Flächen die Rundballenpresse zum Einsatz, so dass auch hier das Futter immer die beste Qualität hat und die Weiden eine optimale Aufwuchshöhe.

Ein wichtiges Argument bei der Weidehaltung ist immer wieder die Frage, ob die Tiere hierbei mehr Methan ausstoßen als bei der Stallhaltung. Dieser Fragestellung widmet sich der Lindhof als Versuchsgut der Christian-Albrecht-Universität besonders. Mit einer in Irland und Neuseeland entwickelten „Abgassonderuntersuchung“ wird getestet, wieviel Methan die Wiederkäuer oral und anal abgeben. Bei diesen Versuchen wurde festgestellt, dass der weitaus größere Teil des Methans über das Maul ausgestoßen wird. Um diesen Ausstoß zu reduzieren, wird auf dem Lindhof mit verschiedenen Saatmischungen experimentiert. Vor allem Tannin-haltige Kräuter sollen dazu führen, dass das Futter pansenstabil ist und so weniger Methan beim Wiederkäuen produziert wird. Um das zu erreichen, werden die „Sieben Köstlichkeiten“ als Weide angeboten: eine Mischung aus Rotklee, Weißklee, Wegwarte, Spitzwegerich, Hornschotenklee, kleiner Wiesenknopf und Wiesenkümmel. Diese Kräutermischung hat nicht nur den Vorteil, dass sie pansenstabiler ist, als das normale Kleegras. Die Biodiversität wird dadurch auch stark gefördert, ein wichtiger Punkt beim dem vorherrschenden Insektenschwund. Zusätzlich ist diese Mischung Witterungsstabiler. Sowohl Rotklee als auch Spitzwegerich sind Tiefenwurzler, so dass diese Bestände sehr viel resistenter gegen Trockenheit sind als andere Flächen. Es kommen also verschiedene Vorteile zusammen.

Die Jersey-Rinder haben zwar eine relativ niedrige Milchleistung, aber mit einer durchschnittlichen Leistung von 6.900kg/Jahr und einem geringen Kraftfuttereinsatz von 770kg/Kuh und Jahr, liegen die Futterkosten je Liter Milch bei 14 Eurocent. Dieser Betrag macht diese Art des irischen Weidemanagements zu einer denkbaren Alternative in der Milchviehhaltung.