Breites Interesse an der Veranstaltung "Böden machen Klima - Bäuer*innen machen mit!"

Am 12.11.2019 nahmen 150 Gäste an der Veranstaltung „Böden machen Klima – Bäuer*innen machen mit!“ in Rendsburg teil. Eingeladen hatten das Netzwerk Ökolandbau SH, der Ökoring im Norden e.V, Sonja DREYMANN – Beratung Pflanze & Boden, Boben op e.V., Akteure der Kompostwirtschaft sowie der Verband der Lohnunternehmer in Land- und Forstwirtschaft Schleswig-Holstein e.V. So vielfältig wie die Veranstalter*innen waren auch die Teilnehmenden aus Landwirtschaft, Be-ratung, Verwaltung, Wissenschaft, (Abfall-) Wirtschaft u.a.

Die Präsentationen der Referent*innen finden Sie am Ende des Artikels.

Monika Friebl, Projektleiterin des Netzwerks Ökolandbau SH sagte zur Begrüßung: „Versicherungen, Entschädigungszahlungen und Präzisionslandwirtschaft reichen nicht, um mit der Zunahme extremer Wetterverhältnisse umzugehen. Wer die Prozesse im Boden und das Zusammenspiel mit Pflanzen und Bodenmikrobiologie kennt, kann dies für ein besseres Pflanzenwachstum, den Aufbau von Humus sowie eine verbesserte Infiltration und Wasserspeicherfähigkeit nutzen und sogar klimaschädliches CO2 binden.“

Dr. Heinrich Terwitte vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung, unterstrich in seinem Grußwort die Notwendigkeit sich dem Boden stärker zu widmen.

Weitgehend konstante Humusgehalte

Dr. Marek Filipinski, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) stellte eine Übersicht der Humusgehalte und C/N-Verhältnisse der Böden in Schleswig-Holstein vor. Gemäß Dauer-Beobachtung des Landes sind die Humusgehalte standorttypisch und abhängig von der Bodenart, dem Bodenwasserhaushalt und der Bodenbearbeitung. Für die im langjährigen Monitoring seit 1989 betrachteten 16 Ackerstandorte werden bei gleichbleibender Nutzung weitgehend konstante Humusgehalte ermittelt. Die Gehalte sind bei Grünland höher als bei ackerbaulich genutzten Böden.

Dr. Sonja Dreymann, Beratung Pflanze & Boden gab einen Einblick in das Zusammenspiel von Pflanzen und Bodenmikrobiologie und die Bedeutung für Pflanzenwachstum und Humusaufbau. Düngeeffizienz, Pflanzengesundheit und Ertragsstabilität verbessern sich mit ausgeglichenen Nährstoffverhältnissen und dem Vorhandensein einer vielfältigen Bodenbiologie. Wichtig ist es, die biologische Aktivität im wurzelnahen Bereich zu fördern. Ausscheidungen aus lebenden Pflanzenwurzeln füttern die Bodenbiologie, die wiederum die Ernährung und Widerstandsfähigkeit der Pflanzen verbessert. Gleichzeitig wird organischer Kohlenstoff in den Boden gegeben. Dieser Kohlenstoff wird um ein Vielfaches schneller zu Humus aufgebaut und von der Mikrobiologie stabilisiert als pflanzliche Reststoffe. Daher ist es wichtig im Anbau möglichst auch Gemenge bzw. Begleitpflanzen anzubauen, bspw. Raps mit Gras-Untersaat oder Ackerbohnen mit Hafer-Öllein-Begleitpflanzen, und damit auch die Bodengare zu fördern.

Zusätzliche Einkommensmöglichkeit durch CO2-Zertifikate

Henning Knutzen, Boben op e.V. und praktizierender Bio-Landwirt zeigte Systeme zur Humusbildung und CO2-Bindung in der Praxis auf und informierte über den aktuellen Stand zum An-gebot von CO2-Zertifikaten. Er möchte das Potential der Kohlenstoffspeicherung im Boden nutzen und Landwirten eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit verschaffen. Seine Recherchen ergaben, dass konventionelle Monokulturen mit Strohabfuhr eher zum Humusabbau führen, während pfluglose Direktsaatsysteme ca. 0,025 % Humus pro Jahr aufbauen können. Höhere Raten erreichen „Immergrüne Systeme“ mit Untersaaten, Zwischenfrüchten, 7-gliedriger Fruchtfolge u.a. (ca. 0,2 % Humus pro Jahr) oder Portionsweidesysteme (Mob grazing) (ca. 0,98% Humus pro Jahr). Laut amerikanischen Untersuchungen sind für intensive Agroforstsysteme mit Mob grazing und Holzbewirtschaftung noch höhere jährliche Humusz-nahmen möglich. 
Zum Einstieg in den Zertifikatehandel zieht die Fa. Trinkies Bodenproben und wiederholt die Beprobung nach spätestens 5 Jahren, um die Steigerung des Humusgehalts zu belegen. Der aktuelle Preis soll 45,-€ pro Tonne CO2 sein, von denen dann 30,-€ an die Landwirte ausgezahlt werden. 
0,2 % Humusaufbau pro ha entspricht ca. 10 Tonnen CO2, also 300,-€ pro ha.

Diversität der Zwischenfrüchte fördert Nährstoffeffizienz

Jan Hendrik Schulz, Deutsche Saatveredelung AG (DSV), stellte die Gestaltung der Bodenporosität durch Zwischenfrüchte und deren Wirkung auf den Ertrag vor. Verschlämmte Böden oder Staubwolken über dem Acker sind ein Alarmzeichen. Um den Boden zu stabilisieren, hilft eine permanente Bodenbedeckung mit einer tiefgründigen Durchwurzelung. Auch bei hohen Temperaturen schützt eine vielfältige Vegetation den Boden vor Überhitzung und dem Verlust von Gefügebildnern wie Mykorrhizapilzen und Regenwürmern. Eine vielfältige Fruchtfolge wirkt sich positiv auf die Kennwerte der Bodenfruchtbarkeit wie Gehalt an organischem Kohlenstoff, Aggregatstabilität, Infiltrationsrate und mikrobielle Biomasse aus. Bodenstrukturfördernd sind auch möglichst diverse Zwischenfruchtmischungen, die aufgrund der unterschiedlichen Wurzeltiefen und Wurzelabsonderungen die mikrobielle Aktivität und Humusbildung fördern. Je vielfältiger diese Zwischenfrüchte sind, desto besser ist auch die Nährstoffbereitstellung für die Folgefrucht.

Eher in den Boden als in den Kalender gucken

Sören Kötting, Betriebsleiter eines Bioland-zertifizierten Gemischtbetriebes mit Schwerpunkt Ackerbau, schilderte seine Strategien zum Humusaufbau und zur Anpassung an den Klimawandel. Als Fruchtfolge hat sich bei ihm GPS + Klee-Gras, Brotweizen, Dinkel, Ackerbohnen, Hafer sowie Getreide-Leguminosen-Gemenge bewährt. An seinem Standort mit sandigem Lehm und 45-65 Bodenpunkten schält er den Boden, statt ihn zu pflügen, um eine schnellere Regeneration der Mikrobiologie zu ermöglichen. Sein Ziel den Acker mit der größtmöglichen Vielfalt immer begrünt zu halten, verfolgt er mit Untersaaten und Zwischenfrüchten zur Beikrautunterdrückung und Biomassebildung. Durch Flächenrotte mit „Bio-Fräse“ oder Feingrubber und das Impfen mit „positiven Mikroorganismen“ wird die Biomasse humuswirksam konserviert. Seinen Striegel hat Sören Kötting wieder verkauft.

Kompost besonders in Dürrejahren ertragsstabilisierend

Romana Holle, Beraterin des Versuchs- und Beratungsring Ökologischer Landbau im Norden e.V. stellte die Ergebnisse ihrer Forschung über innovative Kompostsysteme für mehr Bodenfruchtbarkeit im Rahmen ihres EIP-Innovationsprojektes vor. Mit 19 Betriebsleitern erprobte sie zwei Kompostierungsverfahren, die „Mikrobielle Carbonisierung“ (MC) und das „Controlled Microbial Composting“ (CMC) in Bezug auf Arbeitswirtschaftlichkeit, Investitionen und Ertragswirkung. Beide Kompostierungsverfahren waren praxistauglich, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. 
Das CMC-Verfahren bedingt einen hohen arbeitswirtschaftlichen Aufwand durch termingerecht durchzuführendes mehrmaliges Umsetzen. Der Prozess wird laufend kontrolliert und kann korrigiert werden. Es entsteht ein Kompost, in dem Pflanzen sofort wachsen können. 
Die MC-Kompostmieten werden nicht umgesetzt. Eine Kontrolle ist nicht möglich, so dass Kompost entstehen kann, der auf dem Acker „nachrottet“. 
Die Analysen der Inhaltstoffe der Komposte und der Nährstoffversorgung der Böden zeigten eine große Spannweite. In den Bodenanalysen waren durch Kompostgaben keine Änderung der Nährstoffgehalte (C, N, P, K, Mg) nachweisbar. Sie lagen schlagspezifisch z.T. sehr niedrig. Eine Grundversorgung mit P, K, u.a. ist jedoch möglich. Ertragssteigerung bis zu ca. 20% waren durch Einsatz von Kompost zu Sommergetreide in den gesetzlich erlaubten Mengen von 10 to TM pro ha und Jahr erreichbar, wobei eine einmalige Ausbringung alle 3 Jahre erlaubt ist. 
Im „Dürrejahr 2018“ gab es ausgeprägte positive Ertragstendenzen nach Kompostdüngung insbesondere im Bereich der Proteingehalte. Komposttee zeigte signifikante Mehrerträge bei Hafer und Ackerbohne.

RAL-zertifizierte Komposte sinnvoll, aber nur begrenzt einsetzbar

Stefan Masch, vom Kompostwerk in Bargenstedt erbrachte mit Unterstützung des Landesverbands der Lohnunternehmer durch eine praktische Vorführung auf dem Gelände der Deula den Beweis, dass ausgebrachter Kompost Ammoniak-Ausgasungen einer Güllegabe verringern und der Boden die Gülle besser halten kann. 
Ralph Hohenschurz-Schmidt, von der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde fasste am Ende zusammen: Die Kompostwirtschaft kann die Bedarfe der Landwirtschaft aus Bioabfällen nicht decken. Diese müsse daher zusätzlich selber über die Kompostierung ihrer Wirtschaftsdünger und Erntereste, vor allem aber über angepasste Fruchtfolgen und dauerhafte Flächenbegrünung für einen lebendigen Boden und Humusaufbau sorgen.