Betriebsbesuch auf dem Backensholzer Hof zum Thema Stallbau und Tierwohl

Am 24. Mai nahmen knapp 40 Studierende des ersten Semesters der Fachhochschule Kiel zusammen mit Prof. Dr. Urban Hellmuth an einer Betriebsbesichtigung auf dem Backensholzer Hof teil. Eingeladen hatte das Netzwerk Ökolandbau SH.
Jasper Metzger-Petersen zeigte seinen neuen, mit EU-Mitteln geförderten Kälberstall und den neuen Kuhstall. Der Bau war im Rahmen des EIP-Projektes "InnoBau" (Nachhaltige Innovationen im landwirtschaftlichen Bauwesen) von der Fachhochschule begleitet worden.

Jasper Metzger-Petersen sind die Förderung des Tierwohls und insbesondere die Kälbergesundheit ein großes Anliegen. Daher wurde der Stall in drei autarken Einheiten angelegt. In jeder Einheit leben zwei Kälbergruppen. Die Tiere haben mehr Platz als früher und eventuelle Krankheiten können nicht ohne weiteres auf alle Tiere übertragen werden, sondern maximal auf die andere Gruppe in diesem Abteil. Die Kälber werden 6 x am Tag gewogen und die zuständige Mitarbeiterin erhält sofort eine SMS auf ihrem Smartphone, wenn ein Kalb länger als zwei Stunde nicht frisst. Diese hochmoderne Form der Tierhaltung ermöglicht es, dass erkrankte Tiere sehr viel früher erkannt und separiert werden können. Die Kälber scheinen sich im neuen Stall sehr wohl zu fühlen. Jasper Metzger-Petersen berichtete, dass die Kälber die Größe zum Umstallen nun einen Monat früher erreichen. Einzig die Stallungen haben sich verändert, alle anderen Komponenten sind gleich geblieben. Dies ist auch für ihn Indiz, dass sich die Tiere wohl fühlen.

Im Anschluss stellte Sonja Donicht vom Projektbüro "InnoBau" ein Handbuch vor, das sie als Tool für ein systematisches Vorplanungsmanagement in Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben entwickelt und erprobt hat. Es soll Landwirten die Herangehensweise an ein Stallbauprojekt und die Beantragung von Fördermitteln erleichtern. Sie erläuterte was zu beachten ist, wenn sich ein Betriebsleiter entscheidet, einen durch AFP-Mittel geförderten Stall zu bauen. Punkte wie „Effizienz", „Umwelt“ und „Arbeit“ stehen auf ihrer Liste ganz weit oben. Sie machte deutlich, dass AFP-Mittel für einen Stallbau zu beantragen, nur des neuen Stalles wegens, nicht funktioniert. Die Betriebsleiter müssen klare Vorstellungen haben, wie sich die Struktur in diesem Betriebszweig verändern und verbessern soll. Des Weiteren zeigte sie auf, was während der Bauphase – trotz detaillierter Planung – schief gehen kann. Jeder müsse sich darüber im Klaren sein, dass der Betriebsleiter während der Bauphase, die 6-15 Monat dauern kann, dem Betrieb für 2-6 Stunden/Tag nicht zur Verfügung steht. Dies muss bedacht und organisiert sein. Trotzdem stellt Jasper Metzger-Petersen zum Abschluss fest, dass es sich lohnt, nach Förderungen und Projekten Ausschau zu halten, Netzwerke zu nutzen und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um den Betrieb weiter voran zu bringen.

Der Familie Metzger-Petersen ist es sehr wichtig, dass alle Betriebsteile mit sich und der Umwelt im Gleichgewicht stehen. Aus diesem Grund konnte Jasper auch schon das nächste Projekt ankündigen, in dem in Zusammenarbeit mit der Uni Freiburg an einer Rottekammer und Pflanzenkläranlage geforscht wird, um alle Abwässer der neuen "Hofküche" zu reinigen und sie dem Betriebskreislauf wieder zuzuführen.

Nach einem sehr informativen Vormittag mit guten Einblicken in die Arbeit des Backensholzer Betriebes,  nutzten wir das Angebot eine leckere Auswahl der Backensholzer Käsespezialitäten zu probieren. 
Vielen Dank an Jasper Metzger-Petersen und Sonja Donicht für die eindrucksvolle Betriebsbesichtigung!

Mehr Infos zum Hof Backensholz gibt es hier.
Mehr Infos zum EIP-Projekt "InnoBau" gibt es hier.