Aufwertung von Knicks in Richtung Artenvielfalt, CO2-Senke und als Lernort

Entstanden im 18. Jahrhundert zur Abgrenzung der landwirtschaftlichen Flächen, prägen sie bis heute das Bild unserer Kulturlandschaft und sind von ökologischer Bedeutung.

Warum heißen die Knicks eigentlich Knicks?

Der Begriff geht auf die ursprüngliche Pflege zurück, bei der die Gehölze geknickt und nicht wie heute abgekniffen oder gesägt wurden. Die geknickten Hölzer wurden längs auf den Wall gelegt und schlugen im Folgejahr wieder aus. So entstand ein dichtes Geflecht aus horizontalen und vertikalen Strukturen, auch Knickharfen genannt. Früher dienten die Knicks nicht nur als sichtbare Grenze unter den Landbesitzern, sondern auch als Begrenzung und Zaunersatz für das Vieh.

Durch diese Form der Pflege entstand ein neuer Lebensraum mit einer typischen Tier- und Pflanzenwelt. So können Knicks ca. 7000 Tierarten beheimaten. Pro Kilometer wären dies ca. 1700 Tierarten. Standortheimische Knicks haben daher eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt, die es zu fördern und erhalten gilt.

Die Bandbreite der Knickgehölze spiegelt oft die Standortverhältnisse und das Artenspektrum der Region wider. So wird in Schleswig-Holstein zwischen Schlehen-Hasel-Knicks, Eichen-Birken-Knicks und Knicks feuchter Standorte unterschieden.

Ursprünglich wurden Knicks mit aus der nächsten Umgebung entnommenen Gehölzen diverser Arten bepflanzt, weshalb sie den Namen reiche oder bunte Knicks tragen. Zwecks Arbeitserleichterung erfolgte im Laufe der Jahrzehnte die Nutzung von Gehölzen aus Baumschulen, sodass die Vielfalt an Baum- und Straucharten abnahm.

Am 07.06.2024 lud Johannes Hets vom Initiativkreis Gut Wulfsdorf e. V. Lehrkräfte, Landwirt:innen, Knickbesitzer:innen, Vertreter:innen der Kommunen sowie interessierte Öffentlichkeit zu einem Vortrag über die Aufwertung von Knicks in Richtung Artenvielfalt, CO2-Senke und als Lernort mit anschließender Exkursion zu den hofeigenen Knicks ein. Am Beispiel von Gut Wulfsdorf als Lernort Bauernhof wurde das eigene Knickprojekt vorgestellt, über das Potentiale für die Aufwertung von Knicks beschrieben und Maßnahmen für die Aufwertung durchgeführt sowie erprobt werden sollen.

https://gutwulfsdorf.de/lernort-bauernhof/initiativkreis/knickprojekt.html

Neben der Bedeutung für die Artenvielfalt wurde die Rolle für die Kohlenstoffspeicherung und als Baustein für Klimaresilienz erläutert. Knicks sind Strukturen in der Landschaft, die bereits bestehen, weswegen das Augenmerk neben einer Neuanlage besonders auf den Erhalt und der Aufwertung dieser Landschaftselemente gelegt werden sollte.

Knicks erlangen mehr Bedeutung als wirksamer Bestandteil für den Klimaschutz durch den zusätzlichen Aufbau von Humus auf Ackerstandorten sowie unter- und oberirdischer

Biomasse und damit der Kohlenstoffbindung (C-Sequestrierung). Dies ist in Untersuchungen des Thünen-Institutes für Agrarklimaschutz im Rahmen des Projektes CarboHedge nachzulesen.

https://www.3-n.info/media/4_Downloads/pdf_NwsTrmn_3NVrnstltng_BiooekonomieInNDSundSH_Agroforst_Drexler.pdf

Um das Potential der Knicks für Artenvielfalt und als CO2-Senke auszuschöpfen, müssen diese gezielt kartiert und entwickelt werden. Während des Rundgangs zu den hofeigenen Knicks wurden verschiedene Knickstrukturen und -zusammensetzungen gezeigt und entsprechende Maßnahmen für die Aufwertung erörtert. Gehölzarten mit geringem Stockausschlagvermögen sollten bei der Knickpflege nicht entfernt werden. Geeignete Triebe heimischer Baumarten sollten in der Entwicklung gefördert werden, anstelle auf gezielte Anpflanzungen zu setzen. Außerdem wurde die Relevanz von blühenden und fruchtbildenden Gehölzen als Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und Bodenorganismen aufgezeigt.

Mit dem auf Gut Wulfsdorf entwickeltem Knickprojekt soll einerseits Wissen über dieses Landschaftselement, die Bedeutung, die Aufwertung und Pflege vermittelt werden. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen für die Verbesserung der Knicks durch das Miteinbeziehen von Schulklassen realisiert werden. Dafür bietet das Gut Wulfsdorf verschiedene Pädagogikformate oder Fortbildungen an. Das Projekt ist anerkannter Lernort im Rahmen der Bildungsinitiative des Landwirtschaftsministeriums (BiLEV).

Organisiert wurde die Veranstaltung vom 07.06.24 vom Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein.

Umfassende Informationen zu Knicks unter

https://schleswig-holstein.nabu.de/natur-und-landschaft/knicks/index.html