Auf den Spuren der Wertschöpfungskette Bio-Kohl

Am 28.05. ging es bei der Exkursion des Netzwerks Ökolandbau SH mit einer Klasse des Berufsbildungszentrums (BBZ) Dithmarschen um das Thema Bio-Kohl. 
Von der Züchtung, über die Aufzucht der Kohlpflanzensetzlinge bis zu den Bio-Kohlfeldern der Gebrüder Langmaack konnten die die ersten Lebensstationen des Dithmarscher Kopfkohls verfolgt werden. 
Dass der Kohl u.a. wegen seiner Qualität, seiner Robustheit und guten Lagerfähigkeit nicht nur für Dithmarschen, sondern auch in Afrika und Asien eine große Bedeutung hat, erfuhren die Schüler*innen bei der Firma Rijk Zwaan. Diese ist am Standort Marne auf die Züchtung von Kopfkohlsorten für den weltweiten Anbau spezialisiert. Durch ihre 30 internationalen Tochterunternehmen verfügt die Firma über eine breite Erfahrung in Bezug auf die Anforderungen von Standorten, Böden, Klima, Verwertung als Industrie- oder Frischware sowie den Wandel von Kundenwünschen. Die Teilnehmer*innen bekamen einen Einblick in die Gewächshäuser und Folientunnel. Klar wurde, die Züchtung einer neuen Kohlsorte kann 15 Jahre dauern und ist sehr anspruchsvoll. 
Für Sorten, die für den Ökolandbau geeignet sind, spielen nicht nur der Ertrag, die Reifezeit und die Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge einen Rolle, sondern auch, dass die Pflanzen ein starkes Wurzelwerk ausbilden, damit sie sich Nährstoffe und Wasser gut aneignen können. Des Weiteren müssen sich Bio-Kohlpflanzen gegen Beikräuter durchsetzen können. Bio-Saatgut darf nicht gebeizt werden. 
Die zweite Station, die Firma H.C. Diener in Schülperweide, zieht auf Bestellung der Kohlanbaubetriebe Kohlsetzlinge auf und hat sich ebenfalls sehr professionell aufgestellt. 15 % seiner Kohljungpflanzen gehen an die Bio-Erzeuger der Region. Da die Bio-Produktion getrennt erfolgen muss, hat der Betrieb ein neues, modernes Gewächshaus gebaut, das durch seine größere Höhe und damit ein größeres Luftvolumen, spezielle Lüftungsklappen und eine Bewässerungsanlage die Temperatur und die Feuchtigkeit unter Glas optimal regeln kann. Eine Taubildung soll verhindert werden, damit Pilze keine Wachstumschancen erhalten. Das Dach ist aus trübem Glas, da das diffuse Licht besser von den Pflanzen „verwertet“ werden kann. Die Beheizung erfolgt mit Kohle, Gas und Öl. Die vielen Windkraftanlagen der Region können leider keine direkte Energie liefern. 
Im Unterschied zu konventionellen Kohljungpflanzen, wird das Bio-Saatgut maschinell in ein Substrat gepflanzt, das nicht zu 100% aus Torf bestehen darf, sondern Anteile von Kompost, Holzfasern und Kokosfasern enthalten muss, um die Moore zu schonen. Es werden orange Pflanzkästen (Trays) verwendet, damit das Verwechslungsrisiko minimiert wird. Der für den Ökolandbau zugelassenen Dünger (Organic Plant Feed) wird regelmäßig mit dem Bewässerungswasser in die Trays nachgeliefert. Um Pilzkrankheiten vorzubeugen werden die Bestände seit 2 Jahren regelmäßig mit UVc-Strahlung behandelt. Das Gerät dazu wurde dafür selbst angepasst. 
Die Bio-Bauern möchten in der Regel größere Pflanzen mit kräftigen Wurzelballen, die möglichst tief in die Erde gepflanzt werden können und unempfindlich gegen das Striegeln sind. 
Auf dem Bio-Industriegemüsebetrieb der Gebrüder Langmaack, der letzten Station der Exkursion, mussten die Kohlpflänzchen bereits einige Tage vorher gepflanzt werden. Henrik, Lehrling auf einem anderen Bio-Gemüsehof konnte die Funktionsweise des Geräts aber problemlos „im Trockenen“ zeigen, auch einen Treffler-Striegel stellte er seinen Klassenkameraden engagiert vor. Die Schüler waren beeindruckt vom Maschinenpark des Betriebes. Ein weiteres Gerät konnten Sie beim Möhrenhacken und bzw. -aufhäufeln der Dämme draußen auf dem Feld im Einsatz sehen. Oliver Langmaack führte die Teilnehmer*innen auf Felder mit Kohl, Erbsen und Möhren und erklärte Fruchtfolgen, Düngung mit Hühnertrockenkotpellets und Kaliumsulfat sowie die Rolle des Kleegrases im Ökoanbau. 
Es wurde im Boden nach Wasser gegraben und die Schüler*innen konnten erfahren, dass das Striegeln der Kulturen Wasser sparen kann, da es die Kapillaren im Boden unterbricht und die Austrocknung vermindert. Kleine Knöllchenbakterien an Erbsenwurzeln wurden dabei auch entdeckt. 
Die Vermarktung des Gemüses an Babynahrungshersteller und den Einzelhandel wurde ebenfalls angesprochen. Oliver Langmaack lobte die Mitbestimmung der Bauern in der Vermarktungsgesellschaft Bioland, denn die gute Kooperation ermögliche es in der Regel Mindererträge oder Überschüsse untereinander auszugleichen. 
Wir hoffen, dass die Schüler*innen von diesem Tag viele interessante Impressionen für ihre Betriebe und Kontakte zu potentiellen Arbeitgeber*innen mitnehmen konnten.