Schäferei an der Krempe

Betriebsporträt

Nach der Tschernobyl-Katastrophe wollten Jutta Kohlbeck-Gangl und ihr Mann Roland nur noch selbst erzeugtes Fleisch und Gemüse essen und zogen deshalb auf einen Resthof am Lübecker Rand. Daraus entwickelte sich eine ökologische Schafzucht mit Direktvermarktung.
Jutta ist inzwischen Schäfermeisterin, Roland kümmert sich um technische Aspekte wie z. B. Stallbau, Reparaturen und Futterwerbung. Im Jahr 1998 erfolgte der Umzug nach Lensahn, Ortsteil Wahrendorf auf eine größere Hofstelle und die Mitgliedschaft beim Verband Biopark. Zurzeit werden 50 Mutterschafe mit Nachzucht und Zutretern und sechs Zuchtböcke auf 15 ha gehalten. Als erste Schafrasse wurden Ostfriesische Milchschafe angeschafft, das Ziel war Käseherstellung. Nach einigen Jahren erfolgreicher Käserei wurde allerdings klar, dass die Weiterführung mit hohen Investitionen verbunden wären, die den Betrieb für Jahrzehnte an die Produktion binden würden. Da der Hof als Nebenerwerbsbetrieb geführt wird, entschloss man sich, die Käserei zugunsten der Lammfleischproduktion aufzugeben.
Es kamen also andere Rassen auf den Hof: zuerst waren es die Gotländischen Pelzschafe. Sie gehören zu den nordeuropäischen Kurzschwanzschafen. Sie haben eine glänzende gelockte Wolle in verschiedenen Grautönen, die sich sehr gut verspinnen und hervorragend filzen lässt. Da die Betriebsleiterin schon immer gerne gestrickt und gesponnen hat, waren sie eine ideale Ergänzung zu den Milchschafen. Die Gotländischen Pelzschafe sind auch besser zu hüten als Milchschafe, die von Natur aus nicht so leicht eine Herde bilden.
Auf dem Betrieb arbeiten Border Collies als Koppelgebrauchshunde.
Einige Jahre später kamen Spaelsauschafe dazu, eine sehr alte nordische Rasse. Es gibt sie in sehr verschiedenen Farben, von weiß über beige, braun, grau bis schwarz. Ihre Wolle hat ein langes Oberhaar mit einer dichten weichen Unterwolle. Besonders schön zum Spinnen ist die seidenweiche glänzende Lammwolle.
Als vierte Rasse werden seit 4 Jahren Gescheckte Bergschafe gehalten. Sie sind sehr genügsam und können als asaisonale Rasse ganzjährig lammen. Ihre Wolle eignet sich gut zum Filzen.
Für Außenstehende mag es ungewöhnlich erscheinen, dass bis heute die Milchschafe zur Produktion von Schlachtlämmern gehalten werden, ist doch ihr Schlachtkörper eher schlank und weist nicht die vom Handel geforderte runde Keule auf. Hier erweist sich die Direktvermarktung als Pluspunkt. Der Kunde bekommt die Einzelteile nach Wunsch vom Schlachter zugeschnitten und eingeschweißt. Das Fleisch der Milchschafe, wie auch das der anderen drei Landschafrassen, ist besonders wohlschmeckend, weil es nicht von einer zentimeterdicken Fettschicht bedeckt ist, wie es manchmal bei Lämmern aus Neuseeland zu sehen ist. Die Schafe laufen auf der Weide, solange eine ausreichende Futtergrundlage gegeben ist. Zugefüttert wird draußen nicht, um die Grasnarbe an den Futterstellen nicht zu zerstören.
Während der Weideperiode werden regelmäßig Kotproben genommen, damit gezielt entwurmt
werden kann. Tägliche Gesundheitskontrolle ist selbstverständlich.
Die Schafe werden geschoren, wenn sie im Dezember in den Stall kommen. Die Wolle ist dann noch sauber und kann besser vermarktet werden. Sie bleiben aufgestallt bis mindestens April, je nach Wetter, Wollwachstum und Futteraufwuchs. Während der Stallzeit werden die Tiere mit eigener Kleegrassilage und Gerste-Erbsengemenge und zugekauftem Bio-Schafkraftfutter gefüttert.
Die Lammzeit ist von Februar bis Mai, alle Schafe lammen im Stall, damit die Lammverluste gering gehalten werden. Durch die langgezogene Lammzeit ist es möglich, ganzjährig Schlachtlämmer an Endverbraucher zu vermarkten.
Die Schlachtlämmer und -schafe (Altschafe werden zu Salami und Lammbeißern verarbeitet) werden von der Betriebsleiterin persönlich zum Schlachter gefahren, Fahrtdauer 15 Minuten. Dort stehen sie vor der Schlachtung über Nacht im Stall. Die Endverbraucher lassen sich beim Schlachter ihr Fleisch portionieren, die 5 Landwege Bio-Märkte in Lübeck werden unter Einhaltung der Kühlkette direkt beliefert. Die Felle der geschlachteten Lämmer und Schafe werden durch Einsalzen konserviert und zur Gerberei gebracht. Die gegerbten Felle werden direkt vermarktet.

Betriebsspiegel

Betriebsfläche:  15 ha, davon 8,5 ha Ackerland
Naturraum und Bodenarten:  Hügelland, sandiger Lehm
Bodenpunkte:  55
Niederschlag:  890 mm
Betriebsart/-schwerpunkte:  Schafhaltung, Fleischproduktion und Zucht; Futterbau, Grünland
Acker-/ Gemüsebau:  Gerste-Erbsengemenge als GPS oder Körnerernte
Fruchtfolge:  Ackergras - Gerste-Erbsen-Gemenge
Tierhaltung:  Ostfriesische Milchschafe (weiß und gescheckt), Gotländische Pelzschafe, Spaelsauschafe, Gescheckte Bergschafe
Aufstallung:  im Winter Tiefstreu-Laufstall, in Gruppenboxen unterteilt
Mitarbeiter:  Betriebsleiterin und Ehemann, keine Auszubildenden und Angestellte
Auszubildende:  keine
Anbauverband:  Biopark
Schlachtung und Verarbeitung:  Tjark Thießen, Logeberg-Schashagen Vermarktung:  Fleisch und Wurst an die Landwege Bio-Märkte, Endverbraucher, Felle auch über Hofladen Gut Klostersee und Direktvermarktung

Unsere Angebote

 

Kein Hofladen, Hofbesuche und -führungen mit interessierten Menschen, Schulklassen, Kindergärten, Warenbestellung und Verkauf nach Vereinbarung